25/10/2012

Oetenbach

Ehem. Dominikanerinnenkloster der Stadt Zürich, Diözese Konstanz, eines der ältesten und bedeutendsten der Ordensprovinz Teutonia. Laut Stiftungsbuch entwickelte sich das Kloster 1234 aus dem Zusammenschluss von zwei Schwesternhäusern beim Predigerkloster bzw. im Quartier Auf Dorf. 1237 gewährte Papst Gregor IX. einen Ablass zur Unterstützung des ersten Klosterbaus am O. am rechten Seeufer beim Zürichhorn. Nach päpstl. Schutzurkunden von 1237 und 1239 befolgte O. die Augustinerregel und die Konstitutionen von S. Sisto in Rom, verblieb jedoch unter bischöfl. Jurisdiktion. 1245 wurde O. von Papst Innozenz IV. dem Predigerorden unterstellt, 1259 nach Klärung der Cura-Frage dem Orden inkorporiert. Die Seelsorge oblag von Anfang an den Zürcher Predigern. Die für eine Inkorporation in den Dominikanerorden erforderliche wirtschaftl. Grundlage wurde durch Geldspenden und Landschenkungen des Stadtpatriziats und des Ostschweizer Hoch- und Niederadels sichergestellt. Aus diesen Kreisen rekrutierten sich ab der 2. Hälfte des 13. Jh. auch die Insassinnen.

1285 erfolgte die Übersiedlung in die Stadt. Das anfänglich nur aus einer kleinen Kirche und einem hölzernen Konventgebäude bestehende Kloster auf dem Sihlbühl wurde 1292 vertraglich in die neue Stadtbefestigung integriert, wobei die Kosten für den entsprechenden Mauerabschnitt dem Kloster auferlegt wurden. Unter der Priorin Cäcilia von Homberg erfolgte der weitere Ausbau: 1317 Weihe des Hochaltars im Chor und des Altars im Laienhaus sowie vor 1320 Stiftung der Liebfrauenkapelle an der Südseite des Chors durch ihren Bruder, Gf. Werner von Homberg. 1470-95 wurde der Kreuzgang neu erbaut und die Kirche im Innern mit Wandmalereien und einem spätgot. Chorgestühl (heute in der Kirche St. Peter) ausgestattet. O. unterhielt ein Skriptorium; von der Bibliothek sind wenige Kodizes erhalten, darunter zwei Handschriften mit Werken Heinrich Seuses. Über die theol. Bildung und geistige Zielsetzung der Nonnen gibt das nach 1340 verfasste und später vom Dominikaner Johannes Meyer (1422/23-85) überarbeitete Oetenbacher Schwesternbuch Auskunft. Um das Thema der Compassio kreisen die Aufzeichnungen Elsbeth von Oyes (gestorben um 1339), die eine Zürcher Handschrift des 14. Jh. überliefert. In der Hochblüte des Konvents zu Beginn des 14. Jh. wurde die vorgeschriebene Höchstzahl von 60 Nonnen ständig überschritten. An der dominikan. Observanzbewegung des 15. Jh. hatte O. aber keinen Anteil mehr. In der Reformationszeit wurde der Konvent 1525 aufgehoben. Nach verschiedenen baul. Veränderungen und neuen Zweckbestimmungen als Amtshaus, Spital, Waisenhaus und Gefängnis musste der ganze Klosterkomplex 1902-03 dem Durchstich der Uraniastrasse weichen.


Archive
– StAZH, Amt O.
Literatur
Kdm ZH NF 2/1, 2002, 212-276
– A. Halter, Gesch. des Dominikanerinnen-Klosters O. in Zürich, 1234-1525, 1956
VL 7, 170-172
Kat. der datierten Hs. in der Schweiz in lat. Schrift vom Anfang des MA bis 1550, Bd. 3, hg. von M. Burckhardt et al., 1991
HS IV/5, 1019-1053
Bettelorden, Bruderschaften und Beginen in Zürich, hg. von B. Helbling et al., 2002

Autorin/Autor: Martina Wehrli-Johns